Saufen - ein gefährlicher Trend

"Saufen", ein Wort, das wohl jedem bereits begegnet ist. Es kann verschiedene Tätigkeiten beschreiben, beispielsweise in der Tierwelt. Man würde im allgemeinem Sprachgebrauch niemals sagen: "Das Tier trinkt", sondern vielmehr "das Tier säuft". In diesem Zusammenhang ist das Verb "saufen" also keinesfalls negativ besetzt, da es eine vollkommen normale Tätigkeit beschreibt, die keinerlei Normen oder Werte der modernen Gesellschaft berührt. Deutet man "Saufen" jedoch als die deutlich bekanntere Tätigkeit, die einen übermäßigen Alkoholkonsum beschreibt, dann sieht dies bereits ganz anders aus. Alkohol und Gesellschaft, eine Verbindung, die schon Jahrtausende existiert.

Die Trinkkultur ist also keinesfalls eine Entwicklung der heutigen Gesellschaft. Bereits 8000 Jahre vor Christus wurde im Vorderen Orient Bier gebraut und die Menschen wussten um die stimulierende und stimmungsaufhellende Wirkung dieses Getränks, auch wenn ihnen nicht bewusst war, was genau diese emotionalen und physischen Veränderungen hervorriefen. In der Antike hingegen kam eine religiöse Komponente hinzu. Es wurde dort jedoch kein Bier, sondern vielmehr Wein getrunken, oft um die Götter während gewisser Zeremonien zu ehren. Quasi die Paradezeit des starken Alkoholkonsums war das Mittelalter. Regelmäßiger Alkoholkonsum, sprich die Definition des Wortes "Saufen", wurde dort als vollkommen normal angesehen. Allerdings war Alkohol dort nicht nur Genuss- und Rauschmittel, sondern auch Nahrung und somit überlebenswichtig. Bereits am Morgen wurde Biersuppe verzehrt, die Mönche in den Klöstern bekamen eine Tagesration von mehreren Litern Bier, auch wenn dies bei Weitem nicht den Alkoholgehalt aufweisen konnte, den wir vom heutigen Bier kennen. Es wurden jedoch nicht nur Bier und Wein verzehrt, auch Spirituosen und Liköre waren gefragt. Die russische und polnische Oberschicht berauschte sich regelmäßig an Wodka und Kwas, einem bierähnlichem Erfrischungsgetränk. Schaut man sich nun noch die Studentenverbindungen in Vergangenheit und Gegenwart an, so trifft man auch dort auf eine äußerst rege Trinkkultur, die sich bis heute gehalten hat.

Die Aufnahme von Alkohol, oder auch das "Saufen" bietet einige entscheidende Vorteile, die dazu geführt haben, dass wir Alkohol akzeptieren und ihn völlig zu Recht genießen. So wirkt Ethanol (C2H5OH), die korrekte chemische Bezeichnung, wahrscheinlich besser bekannt als Trinkalkohol, deutlich enthemmend, stimmungsaufhellend und stimulierend, weshalb er als die Gesellschaftsdroge überhaupt angesehen werden kann. Auf kaum einer Party wird kein Alkohol ausgeschenkt, und das aus einem ganz bestimmten Grund. Die Feier würde nur äußerst schwer in Gang kommen, müssen doch zunächst völlig fremde Menschen dazu gebracht werden, sich miteinander zu unterhalten. Hier ist das ein oder andere Glas Bier oder Wein sehr hilfreich. Die bereits angesprochene Hemmschwelle sinkt. In der heutigen Gesellschaft ist Alkohol, im Vergleich zu anderen Drogen wie Cannabis oder LSD, fast vollständig akzeptiert. Wer nicht trinkt wird zwar toleriert, gerade unter jungen Leuten aber auch als Sonderling angesehen. Das Weißbier zum Sauerkraut, der Rotwein zur Ente, das alles trägt auch zum guten Geschmack bei und ist vollkommen legitim. Sowohl Frauen als auch Männer werden wissen, dass es in der Bar oder in der Diskothek deutlich leichter fällt, mit Besuchern des anderen Geschlechts ins Gespräch zu kommen, wenn bereits Alkohol konsumiert wurde. Alkohol kann aus der schüchternen, grauen Maus eine wahre Stimmungskanone machen. In gewisser Weise faszinierend, aber auch beängstigend, überlegt man sich, was Ethanol im Umkehrschluss für Schaden an psychisch labilen Menschen anrichten kann.

Saufen ist in, saufen ist modern. Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille. Ständig liest man in den Tageszeitungen von Jugendlichen, ja fast noch Kindern, die mit mehreren Promille, kaum ansprechbar, in Kliniken eingewiesen werden, eigentlich nur dafür, um ihnen einmal den Magen auszupumpen und sie dann wieder auf die Spielplätze und Schulhöfe zu entlassen, auf denen sie auf den nächsten Vollrausch warten. Weiterhin ist durch die Akzeptanz in der Gesellschaft die Hemmschwelle sich nach zwei, drei, oder vielleicht auch vier Halben noch hinters Steuer zu setzen, ebenfalls deutlich geringer. Schlimme Unfälle können die Folge sein. Auch dies ist eine Seite des Alkoholkonsums, die durchaus berücksichtigt werden möchte.



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