Drugchecking durch Drogentests

Bei den Drogentests geht es nicht nur darum, herauszufinden, wer Drogen konsumiert hat, um diese Menschen einer strafrechtlichen Verfolgung zuzuführen. Immer häufiger werden Patienten in die Notfallaufnahmen der Kliniken eingeliefert, weil sie schwere Kreislaufzusammenbrüche bis hin zu Vergiftungen hatten. Ursächlich dafür sind den Drogen beigemischte gefährliche Substanzen, die die zahlreichen Dealer weltweit einsetzen, um ihren Profit aus dem Drogengeschäft zu erhöhen. Häufig werden auf Partys auch in privaten Laboren hergestellte berauschende Substanzen angeboten. Dort weiß man nie, was genau drin ist. In einigen Ländern werden von staatlicher Seite aus Testkäufe gemacht und die Substanzen in spezialisierten Laboren geprüft. So kann man die Konsumenten warnen, wenn besonders gefährliche Mixturen auf dem Markt sind. In Deutschland lässt dies die Rechtslage nicht zu. Sogar Selbsthilfegruppen und gemeinnützige Vereine, die den drogensüchtigen Menschen helfen möchten, haben keine Möglichkeit, Drogen auf ihren Reinheitsgrad überprüfen zu lassen. Der Verein "Eve & Rave" geriet in den 90er Jahren ins Schussfeld der Kriminalisten, nachdem die Mitarbeiter auf verschiedenen Partys Stichproben genommen hatten und diese an ein Labor weitergeben wollten. Es gab zwar zwischenzeitlich eine Erfassung der Möglichkeiten zur Drogenkontrolle und auch konkrete Vorschläge, wie man diese umsetzen könnte, doch das ganze Maßnahmenpaket liegt seit Jahren auf Eis. Wahrscheinlich muss die Zahl der Todesfälle durch verunreinigte Drogen erst noch mehr ansteigen, ehe hier wirksame Maßnahmen anlaufen.

Art der Drogennachweise

Bei der Droge Alkohol den Nachweis zu führen, ist noch vergleichsweise einfach. Wer gerne alte Filme schaut, kennt die Vorgehensweise der amerikanischen Polizisten, die ihre Probanden "auf dem Strich" gehen lassen. Mit ausgebreiteten Armen muss der erwischte Verkehrssünder auf einer Linie, zum Beispiel einem Markierungsstreifen oder einer Fuge im Pflaster laufen. Anschließend muss er sich mit geschlossenen Augen mit dem Finger auf die Nase tippen. Wenn man diesen ersten Test nicht besteht, steht schon mal fest, dass etwas nicht stimmt. In Deutschland wird durchgängig der Atemtest durchgeführt. Dabei wird der Alkoholanteil in der Atemluft gemessen. In der Vergangenheit beobachtet man immer häufiger, dass solche Testgeräte auch in einigen Diskotheken zu finden sind und wo die Jugendlichen im Laufe des Abends ihren Alkoholpegel immer wieder messen können. Allerdings ist dabei leider zu beachten, dass die dort gemessenen Werte durch andere Faktoren beeinflusst werden können. Deshalb wird im Straßenverkehr bei einer positiven Atemluftmessung immer noch zusätzlich eine Blutentnahme durchgeführt.

Am schnellsten kann man den Kontakt mit Drogen über den sogenannten Wischtest nachweisen. Dazu haben die Wissenschaftler Teststreifen entwickelt, die angefeuchtet über die Handflächen und Fingerspitzen geführt werden. Selbst wenn dort nur mikroskopisch kleine Mengen der gesuchten Substanzen vorhanden sind, verfärbt sich der Teststreifen. Ganz moderne Teststreifen geben sogar binnen kurzer Zeit Auskunft darüber, welche Stoffe dort ihre Spuren hinterlassen haben. Dazu wird der Teststreifen mit unterschiedlichen Antikörpern präpariert, die mit den Bestandteilen der Drogen reagieren und durch die Verfärbung den Nachweis erbringen, dass der zu kontrollierende Mensch Kontakt mit der jeweiligen Droge hatte, sei es, weil er sie beim Kauf oder Verkauf in der Hand hatte oder nach dem Konsum über den Schweiß Restpartikel ausgeschieden werden, die diesen Nachweis ermöglichen. Allerdings ist dieser Test sehr ungenau. Je nach Art der Stoffe liegt die Fehlerquote zwischen fünf und zwanzig Prozent. Deshalb ist dieser Test für eine Strafverfolgung allein nicht anerkannt worden und muss durch zusätzliche Urin- oder Bluttests bestätigt werden. Beim Bluttest erfolgt eine Markierung bestimmter Antikörper, die dadurch separiert werden können. Meistens kommen dafür Enzyme oder spezielle Farbstoffe zum Einsatz. Zeitweise wurden dazu radioaktive Substanzen verwendet, doch seit einigen Jahren wird immer häufiger auf diese Variante der Kennzeichnung verzichtet.Die höchste Präzision beim Nachweis von geringen Konzentrationen bringen Untersuchungen mit einem Gaschromatografen oder einem Massenspektrografen. Besonders in Vorbereitung auf strafrechtliche Verfolgung kommen letztere Varianten zum Einsatz.

Material für Drogennachweise

Wie bereits oben beschrieben, können der Schweiß und auf der Haut vorhandene Restpartikel von Drogen für den Nachweis verwendet werden. Dort ist der Nachweis allerdings nur über kurze Zeiträume möglich. Als nächstes kommt Blut als Untersuchungsmaterial in Betracht. Die Blutuntersuchung liefert wesentlich genauere Daten. Allerdings kann die Blutentnahme nicht vor Ort durchgeführt werden, sondern der Proband muss zur Polizeistation oder dem nächstgelegenen Krankenhaus gebracht und die Entnahme dort unter geeigneten Bedingungen vorgenommen werden, um das damit verbundene Infektionsrisiko zu minimieren. Sehr gern werden auch Urinproben zum Nachweis von Drogenkonsum verlangt. Urin hat den großen Vorteil, dass die Drogenspuren über einen deutlich längeren Zeitraum vorhanden sind. Bei Cannabis kann der Nachweis noch nach mehreren Wochen erbracht werden. Allerdings ist dieser Test manipulierbar, weil eine Urinabgabe unter Aufsicht sich mit der Wahrung der Intimsphäre nicht vereinbaren lässt. Es soll schon Fälle gegeben haben, bei denen im Urintest so nebenbei festgestellt wurde, dass der Sohn (!!!) schwanger ist. Deutlich praktikabler ist der Speicheltest. Gerade die Zollbehörden und die Verkehrspolizei greifen darauf gern zurück, weil der Speicheltest ohne größeren Aufwand sofort und unter Aufsicht durchgeführt werden kann. Allerdings muss er bei juristischer Relevanz anschließend von einem Bluttest bestätigt werden. Die besten Aussagen über den Verlauf des Drogenkonsums geben neben den Finger- und Zehennägeln die Haare. Je länger die Haare, einen desto größeren Zeitraum kann man in Bezug auf Drogenkonsum "aufrollen". Bei den Mädels und Jungen, die Haarlängen von 30 Zentimetern und mehr haben, kann man den Verlauf der Drogenkarriere immerhin mehr als zwei Jahre zurückverfolgen.

Drogen in der Justiz

Aus juristischer Sicht ist der Drogenkonsum sehr unterschiedlich zu betrachten. In Deutschland ist allein schon der Besitz geringster Mengen an illegalen Drogen strafbar. Das Strafmaß ist im Betäubungsmittelgesetz in Verbindung mit dem Strafgesetzbuch der Bundesrepublik zu finden. Wer unter Drogen ein Kraftfahrzeug führt, muss mit empfindlichen Bußgeldern und dem Entzug des Führerscheines rechnen. Vor der Wiedererlangung ist meistens ein MPU fällig. Beim medizinisch- psychologischen Gutachten muss unter Beweis gestellt werden, dass man während der Laufzeit der Sperre keine Drogen konsumiert hat. Deshalb wird bei einem Entzug des Führerscheines wegen Fahren unter Drogen beim MPU meistens auch ein Drogentest mit Haaren als Untersuchungsmaterial herangezogen. Anders ist das im Strafrecht. Dort führt der Konsum von Drogen genau wie beim Alkohol zu einer Verminderung der Schuldfähigkeit, sodass ein milderes Urteil zu erwarten ist. Allerdings werden die Staatsanwaltschaften immer parallel ein Ermittlungsverfahren wegen dem Besitz und Konsum illegaler Drogen in die Wege leiten, sodass man in jedem Falle mit zwei Strafverfahren zu rechnen hat. Anders ist das, wenn man Straftaten unter dem Einfluss rezeptpflichtiger und vom Arzt verordneten Drogen begeht. Bei verschiedenen Psychopharmaka geht man davon aus, dass sie nicht nur das Wahrnehmungsvermögen des Patienten beeinflussen, sondern auch das Abschätzen der Folgen einer Straftat deutlich beeinträchtigt ist.

Drogen und ihr Einfluss auf die Gesellschaft

Eine ganze Reihe von Drogen verändert das Verhalten des Süchtigen so sehr, dass er oder sie eine echte Gefahr für das soziale Umfeld darstellt. Zuerst wird sich die wirtschaftliche Lage des Süchtigen drastisch ändern. Die Substanzen sind teilweise extrem teuer und belasten die Haushaltskassen der Familien. Sehr deutlich wird das bei den unzähligen Alkoholsüchtigen, die auf Grund ihrer Sucht keine Arbeit mehr finden und auf Hartz IV angewiesen sind. Dort leiden oft ganze Familien unter der Sucht eines einzelnen Familienmitglieds. Besonders betroffen sind dabei die Kinder, die oft auf alles verzichten müssen, nur damit der alkoholkranke Elternteil seiner Sucht frönen kann. Das ist bei allen anderen Suchtmitteln nicht viel anders. Hinzu kommt, dass die Abhängigkeit von den verschiedenen Substanzen große Auswirkungen auf die Gesundheit des Süchtigen hat. Damit schwinden die Chancen, wieder in ein Erwerbsleben zurückzukehren. Die Familien der Süchtigen sind fast immer hoffnungslos überschuldet, schämen sich aber, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In vielen Fällen ist es nicht nur die Scham vor Nachbarn, Freunden und Kollegen, die sie schweigend dulden lässt, sondern auch die Angst vor dem Jähzorn des Süchtigen. Alle Süchtigen sind in den Phasen des Kaltentzuges wegen Geldmangel zur Beschaffung des Suchtmittels äußerst aggressiv. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. So hat man zum Beispiel bei Gelegenheitskonsumenten und sogenannten Quartalssäufern in den nüchternen Phasen immer wieder die Chance einer Intervention. Dazu sollte man sich aber Hilfe holen, die man bei den unterschiedlichen Suchtberatern findet. Die großen gemeinnützigen Organisationen haben alle durchweg zumindest in größeren Städten fachkundige Anlaufstellen für die Drogensüchtigen selbst und für ihre Angehörigen. Wer diesen Weg schafft, hat sogar die Chance, von der Krankenkasse oder dem Rentenversicherungsträger einen Entzug und die anschließende psychologische Behandlung bezahlt zu bekommen. Dafür gibt es bundesweit eine ganze Reihe geeigneter Einrichtungen, die über erfahrene ärzte und Therapeuten verfügen.

Co-Abhängigkeit

Es trifft die Angehörigen von Suchtkranken immer wieder sehr hart, wenn sie als co-abhängig bezeichnet werden. Irgendwie entsteht dabei das Gefühl, mit der Person des Drogensüchtigen in einen Topf geworfen und genauso verurteilt zu werden. Ein erfahrener Suchtberater meinte einmal: "Es sollte nicht derjenige bestraft werden, der in einen Suchtkreislauf hineingeraten ist, sonder derjenige, der nichts unternimmt, um dort wieder herauszukommen." Das trifft die Süchtigen genauso wie die Angehörigen. Die Familienmitglieder sollten sich nicht die Köpfe heiß reden, wer an der Sucht schuld ist, sondern welche geeigneten Maßnahmen es gäbe, dem Süchtigen wirksame Hilfe zukommen zu lassen. Diejenigen, die vom veränderten Sozialverhalten des Süchtigen am meisten betroffen sind, sind die Kinder. Statistiken besagen, dass Kinder, die in einem Haushalt mit einem Drogensüchtigen aufgewachsen sind, ein bis zu 16fach höheres Risiko haben, selbst in den Teufelskreis Drogen zu geraten. Auch sollten Eltern von drogensüchtigen Kindern möglichst früh reagieren, denn bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres haben die Kinder noch kein Mitspracherecht, wenn es um medizinisch notwendige Behandlungen geht. Dabei sollte man sich auch nicht vom Jugendamt einschüchtern lassen, die bei allem den Willen des Kindes an vorderster Stelle sehen möchten. Der Hausarzt ist hier ein guter Ansprechpartner, der ggf. in Zusammenarbeit mit einem geeigneten Kinder- und Jugendpsychologen eine Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung erwirken kann. Die Unterbringung dort ist auch keine verlorene Zeit, wenn man darauf achtet, dass eine Klinik ausgewählt wird, wo die Kinder und Jugendlichen auch unterrichtet werden können. Viele größere Kliniken bieten das inzwischen an. Außerdem: Was bedeutet ein wiederholtes Schuljahr gegen das Risiko, ein ganzes Leben den Bach hinunter gehen zu lassen? Einige Eltern halten leider still und finanzieren die Sucht ihres Sprösslings noch, um zu vermeiden, dass er oder sie in die Beschaffungskriminalität geraten. Auch das ist falsch. Manchmal ist es besser, der Jugendliche wird beim Stehlen erwischt und per Beschluss des Jugendgerichtes zu einem Entzug gezwungen, als dass er in jungen Jahren an einer überdosis oder den Folgen raffgieriger Beimischung von giftigen Zusatzstoffen sein Leben verliert.



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