Drogenprävention - Strategien gegen Drogenmissbrauch

Warum ist es der Gesellschaft und den Familien so wichtig, gegen Drogenkonsum wirksam vorzugehen? Drogen sind psychoaktive Substanzen, die auf das zentrale Nervensystem einwirken. Sie verändern das persönliche Befinden, weil sie die eigene objektive Wahr-nehmung beeinträchtigen. Drogengebrauch kann die Konsumenten verletzen und krank machen. Damit schaden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Angehörigen und der Gesellschaft, in der sie leben und arbeiten. In Folge dessen können sie ihre Arbeitsstelle und ihr Einkommen, ihre Partnerschaft und ihre Lebensqualität verlieren. Der ökonomische Schaden zeigt sich z.B. in steigenden Gesundheitskosten, erhöhtem Aufwand im Gesetzes-vollzug und Korruption in der Gesellschaft.

Die größte Attraktivität haben Drogen für Jugendliche, weil sie neugierig und experimentier-freudig sind, ihre Stimmungen und Wahrnehmungen beeinflussen wollen oder weil sie glau-ben, damit ihren Problemen, seelischem Leid und Stress zu entkommen. Junge Menschen ha-ben das größte Risiko, um in die Drogenabhängigkeit zu gelangen und ihre Gesundheit zu ge-fährden. Sie sind noch leichter beeinflussbar und befinden sich in der Persönlichkeitsentwick-lung. Jugendliche aber sind ein wertvolles Gut in der Gesellschaft und sie sollen befähigt wer-den, sich vor schädlichen Einflüssen zu bewahren.

Zu den Zielen der Drogenprävention gehört es u.a., den Konsum besonders für Kinder und Jugendliche – noch bevor sie in Versuchung kommen – zu verhindern. Damit sollen die negativen Auswirkungen des Drogenkonsums beschränken oder rückgängig gemacht und die Folgeschäden und erneutes Konsumieren von Süchtigen verhindert werden. Diese drei Stufen werden primäre, sekundäre und tertiäre Suchtprävention genannt.

Präventionsprogramme in Deutschland

Die wichtigsten Mittel, um Drogenmissbrauch vorzubeugen, sind Aufklärung, soziales Lernen und Strategien, die auch die Eltern und das soziale Umfeld erreichen. Um tatsächlich wir-kungsvoll gegen Drogen anzugehen, müssen die Maßnahmen langfristig, vernetzt und nach-haltig angelegt sein.

Bereits im Kindergarten werden Grundsteine zur Suchtprävention gelegt. Die Kinder trainieren eine aktive und gesunde Lebensweise, sie lernen Konflikte spielerisch zu lösen und üben mit anderen gewaltfrei umzugehen. In der Schule sind sie in einem sensiblen Alter über Jahre zusammen, was für die Präventionsarbeit ein großer Vorteil ist, da Entwicklungen durch das Schulpersonal und die Schulstruktur beeinflusst werden können. Kinder sollen hier in Aktivitäten eingebunden werden, die sie stark gegen Drogen machen.

Für Jugendliche und ihre soziale Entwicklung ist der Kontakt mit Gleichaltrigen entscheidend. In diesen sogenannten Peer-Groups verbringen sie ihre Zeit zusammen, beeinflussen sich gegenseitig und folgen gemeinsamen Trends. Wie sie Drogen gegenüberstehen und mit ihnen umgehen, wird oft in solchen Gruppen bestimmt und durchgesetzt. Drogenkritische Informationen, besonders wenn sie von Gleichaltrigen in die Gruppe getragen werden, können die Meinungen und Verhaltensweisen in der Peer-Group verändern. Durch sogenannten Peer-to-Peer-Unterricht können diese Einflüsse von außen beeinflusst werden.

Studien belegen, dass Kinder und Jugendliche, die zusätzlich in Vereinen und Verbänden organisiert sind, weniger anfällig für Drogenmissbrauch sind. Durch starke soziale Kontrolle im Umgang miteinander werden gesellschaftliche Normen wie "Keine Macht den Drogen" durchgesetzt. Gesteigert wird dieser Effekt noch, wenn die Vorstände mit dem Thema Drogenprävention vertraut sind.

Auch der Staat befasst sich mit der Drogenproblematik und greift mit Mitteln der Gesetzgebung ein. Es gibt Gesetze zum Jugendschutz in Discos und auf Veranstaltungen, Regelungen zu Alkohol- und Drogenkontrollen im Straßenverkehr, totale Verbote von bestimmten Drogen (z.B. Heroin) oder Beschränkungen der Drogenausgabe (z.B. Medikamente, die nur für den klinischen Gebrauch freigegeben sind). Einige Studien legen nahe, dass der Nutzen solcher Sanktionen umstritten ist und nicht zu einem Rückgang des Drogenkonsums führen.

Private Präventionsmaßnahmen: Stark sein gegen Drogen

Die folgenden Ratschläge sollen ihnen als Eltern oder Bezugspersonen nützen, aktiv gegen die Gefahr von Sucht und Drogen vorzugehen.

Ihre Kinder haben ein geringeres Risiko, drogenabhängig zu werden, wenn sie zu selbstständigen und unabhängigen Persönlichkeiten erzogen werden. Als stabile Menschen in der Gesellschaft lernen sie zu argumentieren und Entscheidungen zu treffen, die auch dem Gruppendruck standhalten können. Wenn die Kinder heranwachsen, sind sie stark beeinflusst von ihrem häuslichen Umfeld. Sie lernen von ihnen als elterliche Vorbilder und richten ihr Verhalten und ihre Entscheidungen nach ihnen aus. Schon zeitig lernen sie, was von ihnen erwartet wird.

Reden sie miteinander und schaffen sie ein drogenfreies Zuhause für ihre Kinder. Damit werden sie zu einem wichtigen Maßstab im Umgang mit Suchtmitteln. Ein rauchfreies Zuhause, wo Alkohol nur zu bestimmten Anlässen genussvoll getrunken wird und wo Medikamente verantwortungsbewusst eingesetzt werden, sind die besten Bedingungen für ein suchtfreies Heranwachsen der Kinder. Ergänzen sie das private Vorsorgeprogramm durch aktive Freizeitprogramme und einen Erziehungsstil, der Liebe gibt, Grenzen setzt und Sicherheit vermittelt. In solch einer Umgebung können alle Beteiligten lernen, wie Konflikte ohne Drogen und Gewalt lösbar sind. Ein starkes Selbstwertgefühl befähigt die Kinder und Jugendlichen auch in Situationen, in denen sie mit Drogen in Kontakt kommen, "Nein" zu ihnen zu sagen.

Werden sie als Vertrauensperson vorbeugend aktiv und bringen sie ihren Kindern zwei Wege bei, wie sie Drogen vermeiden können: (angelehnt an: www.nationalantidrugstrategy.gc.ca)

Erster Weg: Weise Drogen zurück.

Auch wenn es manchmal unter Freunden und Gleichaltrigen schwierig sein kann, lehne Drogen ab. Sei freundlich, aber bestimmt und sage ihnen, dass du für dich entschieden hast, keine Drogen zu nehmen (ohne sie zu beleidigen, dass ihre Entscheidung falsch war). Dadurch wirst du noch mehr Anerkennung von Freunden finden, die ebenfalls Suchtmittel ablehnen. Im Gespräch kannst du ihnen Gründe aufführen, warum du keine Drogen annehmen wirst. Einige gebräuchliche Gründe sind:

  • Ich möchte nicht / fühl mich nicht so.
  • Ich habe Asthma / Bronchitis / andere Gesundheitsprobleme, die durch Drogen verschlimmert werden.
  • Ich muss bald nach Hause und möchte keinen ärger riskieren.
  • Ich muss bald zur Arbeit.
  • Ich habe kein Geld.

Sprich mit den Leuten und sage ihnen, was für dich wichtig ist: Drogen passen nicht zu den anderen Bereichen deines Lebens wie Sport, Partnerschaft, Musik, Familie, Arbeit, Schule und andere Aktivitäten. Such dir etwas aus, was wichtig für dich ist und sag ihnen, dass du dir das mit Drogen nicht verpfuschen willst.

Zweiter Weg: Vermeide Drogensituationen

Drogen werden bevorzugt in speziellen Gruppen und an spezifischen Orten angeboten. Gib dich lieber mit Menschen ab, die weniger an Drogen interessiert sind und verbringe deine Zeit an Orten, wo die Begegnung mit Suchtmitteln wenig wahrscheinlich ist.

Stecken sie als Elternteil oder Bezugsperson die Grenzen fest, in denen ihr Teenager selbstständig entscheiden und handeln darf. Formulieren sie ihre Erwartungen, z.B. dass sie keinerlei Drogen in ihrem Haus dulden werden. Führen sie gemeinsam Regeln ein und achten sie darauf, sie einzuhalten. Reden sie über Ausgangsverbote, die Wahl von Freunden und dass sie wissen wollen, wo die Kinder unterwegs sind. Sprechen sie ebenfalls über die Konsequenzen, wenn Regeln überschritten werden. Diese Grenzen geben den Teens Handlungsspielräume und Sicherheiten, zeigen aber auch, was als richtig und was als falsch eingestuft wird. Stellen sie zudem immer sicher, dass sie ihre Kinder für gutes Verhalten belohnen.

Signale erkennen und helfen

Wer zu verbotenen Suchtmitteln greift, hat in der Regel mit legalen Suchtmitteln früh begonnen. Wie Studien zeigen, wird der Einstieg in die Welt der illegalen Drogen durch Alkohol und Tabakkonsum erleichtert. Die Anzeichen und Auswirkungen dieser Alltagsdrogen sind leicht zu erkennen und einzuordnen. Hier kann die Prävention im Privatbereich sehr früh anfangen und eine Drogenkarriere verhindern.

Ob und wie schnell allerdings jemand von schlichter Gewohnheit in Abhängigkeit und später in Sucht abgleitet, hängt maßgeblich von den psychischen und physischen Voraussetzungen ab. Wenn Personen regelmäßig und in zunehmenden Maße Drogen einnehmen, sind sie suchtgefährdet. Für sie wird es immer schwieriger, auf die Droge zu verzichten.

Für Jugendliche ist es meist schwer zuzugeben, dass sie Probleme haben. Frühzeitig gepflegte und offene Kommunikationskanäle sind hier der wichtigste Zugang. Können die Probleme gelöst werden und erhalten die Jugendlichen einen positiven Anreiz durch bestimmte Ereignisse, können sie auch spontan von dem riskanten Konsum der Drogen abkommen. Ein intaktes soziales Umfeld, das Lebensfreude und Zukunftssicherheit bietet, ist der beste Helfer bei (angehenden) Suchtproblemen.

Anzeichen für Drogenkonsum

Konnten bis in die 1990er Jahre hinein Drogenabhängige häufig an ihrem äußeren erkannt werden, gehören die Jugendlichen mit Drogenproblemen heut nicht zwangsläufig einer speziellen Szene mit bestimmten Merkmalen an. Eindeutige Anzeichen auf Drogenkonsum werden sie selten finden. Allerdings können sie auf Hinweise achten, die auf einen regelmäßigen Drogenkonsum ihres Teenagers hindeuten können.

Anzeichen, auf die Eltern und andere Vertrauenspersonen sofort reagieren sollten, um Schlimmeres zu verhindern, sind oft zuerst ein verändertes Verhalten, was über die normalen Stimmungsschwankungen Pubertierender hinausgeht. Der Jugendliche ist unangemessen fröhlich, träge, müde oder depressiv, zieht sich zurück, schließt sein Zimmer ab und gibt keine Begründung dafür. Möglicherweise nehmen aggressive Tendenzen zu, der Freundeskreis verändert sich, die Schulleistungen verschlechtern sich ohne ersichtliche Gründe und die Freude an bisherigen Freizeitbeschäftigungen gibt es nicht mehr.

Achten sie auch auf körperliche Veränderungen, welche die Einnahme von Drogen signalisieren können: erweiterte oder verengte Pupillen, Auszehrung und Abmagerung, Einstichstellen (besonders in den Armbeugen und Unterarmen), Zahnverfall aufgrund vernachlässigter Körperpflege. Klären sie ab, ob Angstzustände, Schweißausbrüche, Schwindel oder depressive Verstimmungen krankhafte Ursachen haben oder eventuell Folgen von Suchtmitteln sind.

Unter Umständen besitzen die Jugendlichen bestimmte Gegenstände, die Indizien für Drogenkonsum sein können: Pfeifen zum Rauchen von Haschisch, Pflanzenteile und Harzstücken, Briefchen mit Pulvern oder Rückständen, andere Sachen, die ihnen merkwürdig vorkommen.

Was zu tun ist, wenn Jugendliche Drogen nehmen

Wenn sie herausfinden, dass ihr Kind Drogen nimmt, kann das eine schockierende Erkenntnis sein. Vermutlich kommen Gefühle wie ärger, Traurigkeit, Angst und Verwirrung hinzu. Das sind normale Reaktionen, die von der Familie Engagement erfordern, wollen sie ihrem Kind helfen.

Am wichtigsten ist jetzt, ihre Entscheidungen nicht von den Gefühlen lenken zu lassen, sondern das Problem schrittweise anzugehen, um zu einer Lösung für die ganze Familie zu finden. Gestehen sie das Problem ein und informieren sie andere Familienmitglieder. Dieser Schritt ist nicht einfach, aber verhindert, dass durch Unwissenheit noch mehr zerstört wird. Erläutern sie die Lage kurz und sachlich. Damit können überschwingende Gefühle schnell wieder unter Kontrolle gebracht werden.

Zuerst sollten sie sich um Informationen bemühen, die sie von vielfältigen Quellen in ihrer Gemeinde oder im Internet beziehen können. Wissen ist auch hier ein Stabilitätsgeber in ihren Entscheidungen. Schätzen sie die Situation ein und überlegen sie mögliche Optionen, um das Problem zu lösen. Suchen sie sich Hilfe bei Drogen- und Suchtzentren.

Das wirksamste Instrument, was uns im Umgang mit Jugendlichen zur Verfügung steht, ist richtig eingesetzte Kommunikation. Miteinander sprechen sollte eine Regelmäßigkeit werden. Wenn eine Gesprächsbasis über längere Zeit aufgebaut wurde, ist es für Jugendliche einfacher, auch heiklere Themen zu besprechen. Immer wieder kurze Gespräche im Alltag halten sie auf dem Laufenden, was in ihrem Leben wichtig ist und passiert.

Hören sie genau zu und verfolgen sie, was ihre Kinder mit wem tun. Ist das Verhältnis von Vertrauen geprägt, werden auch Fragen wie "Mit wem gehst du aus?", "Was werdet ihr tun?" und "Wie lange werdet ihr weg sein?" nicht nervtötende Antworten wie "Mit niemandem, nichts und keine Ahnung" beantwortet. Bemühen sie sich, die Freunde ihrer Kinder und deren Eltern kennen zu lernen. Wenn ihre Intuition ihnen sagt, dass Drogen ein Thema sein könnten, handeln sie sofort und sprechen mit ihrem Kind darüber. Ermutigen sie zur offenen Diskussion. Einige Tipps für Gespräche mit ihrem Teenager können ihnen helfen, eine offene, vertrauensvolle Kommunikation über Drogen miteinander zu gestalten. Das ist nicht immer einfach, aber die Mühe wird sich auszahlen.

Überlegen sie sich, was sie zum Thema Drogen sagen wollen und handeln nicht aus einem Impuls heraus. So halten sie Emotionen unter Kontrolle und kommunizieren wirklich, was sie vorhatten. Es ist nicht immer einfach, aber bleiben sie sachlich, klar und fokussiert. Sie wollen Informationen geben, dass die Jugendlichen überlegte Entscheidungen treffen können. Versichern sie ihrem Kind, dass es für sich entscheiden soll und unabhängig ist. Das ist, was Teenager wollen.

Jugendliche wollen ihre Freiheiten und Situationen kontrollieren. Lassen sie die Zeit, das Datum und den Ort für ein solches Gespräch bestimmen; das zeigt ihnen, dass sie Respekt haben. Wenn sie diese Kanäle für ihre Kinder offen halten, werden sie in Krisenzeiten auf das Vertrauen zurückgreifen und über ihre Probleme sprechen.

Suchtnotrufe, Anlaufstellen und weiterführende Informationen

Da Drogenprävention ein so wichtiges soziales und gesellschaftliches Thema ist, sind die Hilfsangebote im Bundesgebiet weit gestreut und gut organisiert. Wenn sie selbst gefährdet sind oder jemanden in Gefahr zu sehen, suchen sie sich Rat und Hilfe: Es gibt bundesweite Notrufnummern wie sie Sucht- und Drogenhotline mit ihrem 24-Stunden-Service, eine online Drogenberatung, bei der man anonym Probleme besprechen kann und in jeder größeren Stadt gibt es Drogen-, Sucht- und Jugendberatungsstellen. Im Normalfall haben auch Gesundheitsämter und Polizeireviere eine Abteilung für Drogenschutz.

Auch der Kinder- oder Hausarzt sowie ein Vertrauenslehrer, gegebenenfalls sogar ein Suchtberater in der Schule, können ihnen zur Seite stehen. Sie kennen die örtlichen Beratungsstellen und Elternkreise und sie wissen, was Betroffene als nächstes tun können. Sie sind nicht allein mit dem Drogenproblem. Handeln Sie umgehend und nehmen sie die Hilfe und Beratung von Fachleuten an. Die Hilfe ist kostenlos und ihre Daten werden nicht an die polizeilichen Behörden weitergeleitet.

Im Telefonbuch finden sie Hilfe unter den Stichwörtern: Suchtberatungs-, Jugend- und Drogenberatungsstelle oder Psychosoziale Beratungsstelle. Bei diesen Stellen erhalten sie auch Informationen zur Prävention, über die Gesetzgebung zu Drogen und Medikamenten und über Projekte, die in ihrer Gegend gegen die Suchtgefahren durchgeführt werden.



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